Mondfischen – Eine Kurzgeschichte von nuiun

Die folgende Geschichte habe ich für einen Poetry Slam geschrieben. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen =D
Und nun… viel Spaß beim Lesen
<(^_^)>

Mondfischen

Anmerkung des Autors
zu reimen liegt mir nicht,
deswegen seid mir nicht gram.
Die Sprache beherrsche ich doch gut.

Geschichten zu erzählen,
liegt mir mehr.
Deshalb seid jetzt still.

Bedenkt ein Mensch ist jeder,
der sich Mensch nennen kann.
Ob Mann, ob Frau, das ist egal.

Und jetzt ————-
lasst euch verzaubern
vom bitter süßen Traum

Es war einmal ein Seemann in seinen besten Jahren. Die See war seine zweite Heimat. Wohl war er sich der Gefahren bewusst, die sich in den Tiefen tummeln. Die See konnte launisch im Sturm turmhohe Wellen schwindelerregend über die Köpfe und Segel hinweg schleudern. Sicher hatte auch er so einiges Treibgut nach einem Sturm am Strand gefunden. Bisher hatte er allerdings Glück gehabt. Die See war ihm wohl gesonnen, so schien es.

Der Tag war hell gewesen, nun stand die Sonne bereits auf 160° über dem Horizont. Feuerlodernd gelb-rot tauchten Sonnenstrahlen das wabernde Meer in eine Lavawüste. Mondfischen war angesagt. Deshalb hatte er den halben Tag am Strand liegend verbracht um sich auszuruhen und sich auf die Nacht vorzubereiten. Jetzt war es an der Zeit sein Boot, die Silandara, vorzubereiten.

Gedacht, getan, die Silandara war bald seetüchtig hergerichtet und der Seemann löste die Leinen. Silandara nahm, wie gewohnt, schnell an Fahrt auf. Eine süße Briese wehte über die Dühnen vom Land auf die See. Mit kühnem Blick saß er am Steuer den Blick auf den flammenden Horizont gewandt.

Weit draußen an den Fischgründen warf er sein Netz aus. Die Sonne war inzwischen in ihrer eigenen Glut versunken. Er hisste das kleine Segel um sachte über das jetzt abgrund tief schwarze Meer zu gleiten. Hoch über Silandara am Himmelszelt funkelten tausende und abertausende Sterne. Ein jeder Stern beherberge wiederum eine vielzahl an Seelen, die die Sterne zum leuchten brachten, so sagte man sich. Also gab es auch nichts vor dem Tod zu befürchten, denn er war überzeugt eines Tages selbst auf einem dieser Funken zu reiten.

So wie der Tag das Leben weckte, so stand die Nacht dem Tod nahe, erzählte man sich. Deswegen galt das Mondfischen als Ereignis um die Seele immer wieder aufs neue auf den Tod vorzubereiten. Schließlich währte kein einzelnes Leben ewig. Derlei Gedanken gingen ihm durch den Kopf als er sich plötzlich dem Nebelschwaden um seine Silandara gewahr wurde.

Dies war nicht unbedingt Grund zur Sorge, aber er machte sich dennoch daran die Netze einzuholen. Unterdessen fiel ihm ein dicker nasskalter Tropfen in den Nacken. Erschrocken schaute er empor und sah den gleißend weiß glühenden Mond hinter einer mächtigen ungeheur schwarzen Wolke verschwinden.

Seine Bewegungen wurden hastig, eifrig machte er sich daran das große Netz am Bug notdürftig zu verstauen. Der Regen wurde allmählich stärker und er hetzte zum Mast um das Großsegel zu hissen. Wasser rann ihm über das Gesicht sodass er andauernd blinzeln musste. Silandara ächzte unter dem Druck des Windes auf das große Segel. Er machte die Leinen fest begab sich ans Heck und ans Steuer. Schnell mit dem starken Wind nahm seine Silandara wieder Fahrt Richtung Ufer auf.

Jetzt bemächtigte sich das Unwetter allerdings weitaus größerer Gewalt, der Mast bog sich Gefährlich im Wind. Mit beherzten schweren Schritten machte er sich auf den mühsamen Weg, der bei gutem Wetter keiner Rede wert gewesen wäre, auf zum dicken Segelmast um das Segel zu lösen, damit es Silandara nicht den Mast breche und damit manövrierunfähig mache. Gegen peitschenden Regen und Wind gelehnt, die Arme vor dem Gesicht verschränkt setzte der Seemann verbissen einen Fuß vor den anderen.

Endlich kam er an den zum Zerreißen gespannten Seilen an. Er zog am Seil, doch der Knoten blieb vom Wind wie festgenagelt. Behände zückte er sein Messer, das er immer an seiner Hüfte trug und schlug mit einem einzigen Hieb das Seil in zwei. Die Stränge peitschten gelöst von der Spannung in alle Richtungen, sodass er sich ducken musste um nicht getroffen zu werden.

Als er nach einem Augenschlag wieder aufsah, sah er seine Nemesis. Ein riesiges Ungeheuer, turmhoch, so hoch, dass es den Anschein hatte, als wolle es sich mit dem Himmel und den Wolken voller Finsternis vereinen. Eine Welle von solchem Ausmaß, dass ein leibhaftiger Gott darin hätte wüten können.

Missmutig starrte er seinem Schicksaal entgegen. Er bleckte die Zähne und machte sich mit geballten Fäusten bereit auf den Aufprall, wohl wissend, dass er in wenigen Sekunden die guten Planken Silandaras unter seinen baren Füßen nicht mehr spühren würde. Heulend warf sich das Ungeheuer auf Silandara, sein immer treues Boot, und ihn, dem kleinen Menschenkind.

Der Regen hatte seine Glieder taub werden lassen. So trieb er im Schlund seines Schlächters benommen dahin. Der letzte Lebensfunke weckte ihn unwillkürlich und er begann mit letzter Kraft wild um sich zu strampeln und versuchte zurück an die Oberfläche zu tauchen. Seine Brust brannte wie Feuer. Das Leben selbst bäumte sich in seiner Brust auf und tobte, nicht willens sich von seinem Heim zu lösen. Sein Geist suchte seine Seele zu beschwichtigen, wohl wissend, dass jede Mühe vergebens war.

Da endlich war es so weit, der Schmerz explodierte als er einen großen Schwall Wasser einatmete. Die Schwärze umfing ihn gänzlich, der Schmerz, alles Leid, jeder Kummer fiel von ihm ab als sich seine Seele von ihrem getrauten Heim löste. Sanft schwebte sie zwischen vielerlei form- und farbenfrohen Meeresgetier einher. Bis sie sich teilte, in immer kleinere feinere Fasern teilte um wieder eins mit allem zu werden und in vielerlei Leben wieder geboren zu werden.

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